Österreich verhängt Geldstrafe von 70.000 EUR gegen Bitpanda wegen Verstößen gegen MiCA-Whitepaper und Marketingvorschriften

Österreich verhängt Geldstrafe von 70.000 EUR gegen Bitpanda wegen Verstößen gegen MiCA-Whitepaper und Marketingvorschriften

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat gegen Bitpanda GmbH eine MiCA-Strafe in Höhe von 70.000 EUR verhängt. Die Strafe ist rechtskräftig und betrifft Verstöße beim Whitepaper und bei der Werbung.

Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) legt einen einheitlichen Standard für Offenlegung und Lizenzierung in allen 27 EU-Mitgliedstaaten fest. Dieser Fall zeigt, wie nationale Aufsichtsbehörden diese Regeln jetzt überwachen.

Wofür Bitpanda die MiCA-Strafe erhielt

Die MiCA-Strafe basiert auf drei klaren Verstößen. Bitpanda hat die Frist für die Einreichung eines Krypto-Asset-Whitepapers verpasst, das mindestens 20 Werktage vor der Veröffentlichung bei der Behörde eingehen muss. Zudem hat das Unternehmen Marketingmaßnahmen gestartet, bevor das Whitepaper veröffentlicht wurde.

Ein weiterer Verstoß betrifft das Marketingmaterial selbst. Im Text fehlte der gesetzlich vorgeschriebene Hinweis, dass kein Prüfer die Offerte geprüft oder genehmigt hat. Außerdem wurden keine Telefonnummer und keine E-Mail-Adresse des Emittenten angegeben.

Bitpanda zählt zu den größten europäischen Retail-Krypto-Brokern und hat seinen Sitz in Wien. Der Fall wurde in einem beschleunigten Verfahren abgeschlossen, das Urteil ist nun rechtskräftig. Die FMA begründet die MiCA-Sanktion mit Anlegerschutz sowie Marktintegrität und nicht nur mit formalen Anforderungen.

Warum die Höhe der Strafe nicht entscheidend ist

Eine Strafe von 70.000 EUR hat für ein Unternehmen wie Bitpanda kaum spürbare Auswirkungen. Die Bedeutung liegt vielmehr in der Botschaft, die damit verbunden ist. Holger Kuhlmann, Mitglied im BeInCrypto Legal & Regulatory Council, sieht in der MiCA-Strafe einen Wandel bei der Aufsicht.

„Die 70.000-Euro-Grenze setzt ein deutliches Zeichen: MiCA ist keine reine Formsache und keine Sammlung von lockeren Vorgaben. Krypto-Unternehmen werden jetzt genauso sorgfältig geprüft wie traditionelle Finanzinstitute."

Auch der Zeitpunkt unterstreicht das. Die Übergangsphase für alte nationale Kryptolizenzen endete am 1.7.2026. Der regulierte Kryptomarkt in Europa funktioniert nun ausschließlich nach MiCA. Deshalb haben Aufsichtsbehörden jetzt sowohl den Auftrag als auch die Unterlagen, um Maßnahmen zu ergreifen.

„Die Bedeutung dieses Falls liegt nicht in der Höhe der Strafe, sondern im Signal für die Durchsetzung. Nach MiCA werden Fristen, Offenlegungspflichten und Werbevorgaben mit echter aufsichtsrechtlicher Schärfe geprüft. Krypto-Unternehmen sollen nun dieselbe Genauigkeit einhalten wie der Rest des Finanzsektors."

Wo Unternehmen unter MiCA weiterhin scheitern

Marketing bleibt das größte MiCA-Risiko. Wachstumsteams arbeiten oft schnell, wodurch Hinweise auf Offenlegung und Kontaktdaten in der Prüfung verloren gehen. Ein zweites Risiko betrifft die richtige Reihenfolge: Ein Whitepaper muss erst bei der Behörde eingereicht, die Wartezeit abgewartet und öffentlich gemacht werden, bevor Marketing startet. Diese Reihenfolge wird von wenigen Marketingplänen eingehalten.

Auch die Budgets spielen eine Rolle. Die Regelungen betreffen bereits kleinere Kryptounternehmen in Europa, die meist keine eigene Rechtsabteilung haben. Banken können die gleichen Anforderungen dagegen leichter erfüllen. Daher hat MiCA gerade Banken in Deutschland und anderen Staaten den Zugang zum Markt erleichtert.

Dasselbe gilt für andere Marktteilnehmer als Broker oder Börsen. MiCA prüft Kontrollrechte statt Code, daher hilft eine Berufung auf Dezentralisierung kaum. Ein Oberflächenteam, ein Gebührenschalter oder ein Upgrade-Schlüssel reichen oft aus, um die Vorschriften zu durchbrechen.

MiCA hat die Türen reguliertMiCA hat die Türen reguliert. Quelle: BeInCrypto Legal & Regulatory Council

Auch der größere Zulassungsprozess hat vergleichbare Schwachstellen aufgezeigt. Viele Unternehmen im EU-Raum betrachten die Zulassung als Ziel, doch MiCA ist ein laufender Test, der nach der Genehmigung weitergeht. Anhaltende Verhaltensregeln, nicht die Lizenz allein, entscheiden nun darüber, wer regelkonform bleibt.

Österreich setzt damit einen Maßstab für andere Länder. Nationale Behörden beobachten gegenseitig genau, welche Entscheidungen getroffen werden. Die nächste MiCA-Strafe könnte daher schneller und deutlich teurer ausfallen. Compliance-Teams sollten deshalb proaktiv ihre eigenen Werbemaßnahmen prüfen, bevor dies eine Aufsicht übernimmt.

Lesen Sie die Originalgeschichte Österreich verhängt Geldstrafe von 70.000 EUR gegen Bitpanda wegen Verstößen gegen MiCA-Whitepaper und Marketingvorschriften von Phil Haunhorst auf de.beincrypto.com